Kindsmord in Görlitz

Kindsmord in Görlitz : Authentische Kriminalfälle aus der DDR / Eveline Schulze. – Berlin : Das Neue Berlin, 2009. – 224 S. : Ill.

ISBN 978-3-360-01976-9

Eveline Schulze berichtet in diesem Buch speziell über Morde an Kindern. Im ersten Fall wird ein totes Baby im Städtischen Klärwerk. Nach der Autopsie steht definitiv fest, dass das Kind ermordet wurde. Nach einem Hinweis finden sie die Mutter nahezu halbtot im Bett. Die Kurzfassung: Mann holt junge Frau in die Familie, und da es mit der eigenen Frau nicht so läuft, treibt er es mit der späteren Mutter. Diese hat sich in ihn verliebt und tut alles für ihn. Das erste Kind ertränkt sie selbst, die Leiche wird erst nach der Vernehmung gefunden. Das zweite Kind tötete der Mann und entsorgte es in der Kanalisation. Beide wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Eine Frau flieht vor ihrem Onkel geschwängert nach Görlitz zu ihrer Oma. Das Kind gibt sie weg. Als sie sich in einen Mann verliebt und mit dem Mann eine Familie gründet, erzählt sie ihm von dem Kind. Dieser will das Kind unbedingt in die Familie holen und sie stimmt zu, um ihn nicht zu enttäuschen. Daher wird das Kind aus dem Heim geholt. Der Mann ist durch seinen Beruf selten daheim, sie kümmert sich um die Kinder. Während sie die anderen Kinder liebt und umsorgt, ist das erste Kind das “Dreckskind”. Der ganze Hass richtet sich nun auf das Mädchen. Mit der Geburt des zweiten (mit dem ersten Kind sind es jetzt 3 Kinder) Kindes meldet sie das Mädchen vom Betriebskindergarten ab. Dem Mann erzählt sie, dass ein Arzt ihr empfohlen hat, das Kind zu schlagen. Das Kind liegt unterernährt und dehydriert in einem Schubfach. Eine frühere Betreuerin besucht eine Freundin in dem Haus, als sie der Mutter begegnet und nach dem Kind fragt. Später erinnert sie sich an das Verhalten und schmiedet mit der Freundin einen Plan um das Mädchen zu sehen. Die Freundin kommt mit einer Mütze als Geschenk für das Baby in die Wohnung und entdeckt das Mädchen. Die beiden Frauen gehen zum Jugendamt. Schließlich wird das Kind aus der Wohnung geholt und überlebt. Die Eltern kommen vor Gericht.

Beim letzten Fall wird der Notarzt gerufen. Er stellt den Tod des Kindes fest und entdeckt, dass das Kind vor dem Tod schwer misshandelt wurde. Die Mutter und ihr Freund wirken ungerührt. Laut Gerichtsmediziner war der Tod für das zweijährige Mädchen eine “Erlösung”. Die Mutter und ihr Freund kommen vor Gericht. Sie hat versucht den Vater des Kindes an sich zu binden, als dies nicht funktioniert und sie sich neu verliebt, kommt sie zu dem Ergebnis, dass das Kind weg muss.

Alle drei Fälle passierten in Görlitz in Zeiten der DDR. Wie ich schon bei dem anderen Buch von Eveline Schröder meinte, erklärt sie die Vorgänge gut und nachvollziehbar, dass auch jemand mit wenig Wissen über die DDR versteht, worum es geht. Bei dem anderen Buch gefiel es mir, dass man schon am Anfang wusste, wer der Mörder ist. Hier war es immer familiär, aber es ist wesentlich besser, dass man erst mit der Ermittelnden erfährt, was passiert ist. Sie hat auch die Hintergründe beleuchtet und sehr detailliert geschrieben. Ich bin generell ein Fan von CSI, Criminal Minds und sonst was und muss sagen, dass mir bei einigen Sachen doch schlecht wurde. Es ist schließlich echt und keine Geschichte eines Schreibers und das macht einen großen Unterschied. Die Frage ist doch “Wie kann man so was dem eigenem Kind antun?”. Es klingt grausam, aber die Beweggründe konnte ich doch irgendwie nachvollziehen. Alle Kinder waren dann ungewollt und Last, aber für die Tat selbst habe ich kein Verständnis. Ich selbst denk dann immer, wenn ich nicht abtreibe und nicht an den Vater des Kindes erinnert werden will oder kurz davor bin das Kind zu schlagen, gebe ich es zur Adoption frei. Denn das Kind soll es gut haben und ich kann bzw. will dann nicht dafür sorgen. Deswegen muss ich das Kind doch nicht so umbringen. Das Buch selbst wurde mir von einer Freundin empfohlen, die aus Görlitz kommt und auch erzählte, dass man wirklich dann weiß, wo was passiert ist.

Es geht hier um Mord an Kindern. Man sollte sich wirklich vorher überlegen, ob man das Buch lesen (und verkraften) kann.

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