Gewalt als Kettenreaktion

Das Buch „Zerrissen“ von Shane Gericke hat mich auch innerlich zerrissen. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich das Buch gut fand oder ob ich das Buch abbreche. Ich fand den Klappentext noch ganz interessant, aber nach dem Lesen muss ich sagen, dass der Klappentext irreführend ist. So wird ein junges Mädchen (als Tramperin unterwegs) vergewaltigt und die Leiche wie Abfall weggeworfen, ein Kleinstadtsheriff wird nach einer Schießerei sterbend zurückgelassen (weil er von der Brücke gesprungen ist, die Leiche des Mädchens als Schutzschild verwendet und die Gegner ihn für tot hielten), Kinder werden entführt und tauchen nicht mehr auf (woher kommt das? OK, Kinderhandel und Kinderpornografie, aber das Kind, das wirklich in diesem Roman im Handlungsstrang entführt wird, wird drogenabhängig befreit). Die Welle der Gewalt schwappt passend zum Unwetter aber wirklich über den Ort Naperville in Illinois. Detective Emily Thompson will den Verbrechen ein Ende bereiten (sie arbeitet bei der Polizei, wäre schon angebracht, dass sie das will), aber es tauchen Briefe mit Körperteilen von Mordopfern auf. Schließlich haben die Täter Emily im Visier. Es heißt schließlich „Töten oder getötet werden“.

Es geht in dem Buch um Drogenhandel, Kindesentführung, Kinderpornografie, Geldwäsche, Erpressung und einen reizenden Serienmörder. Doch, das kann man als Welle bezeichnen. Mehr Verbrchen konnte wohl nicht mehr eingebaut werden. Für mich klang es so, als wenn das alles innerhalb eines längeren Zeitraums passiert (so drei Monate), aber es sind gerade mal ein paar Tage. In dieser Zeit sterben durch die Bande der Drogenkuriere unzählige Menschen, mehr oder weniger brutal. Die Briefe kommen allerdings schon vorher und der Serienmörder hält sich bis zum Schluss zurück. Faszinierend fand ich, dass aus der Sicht aller wichtigen Figuren geschrieben wird und jede Figur (egal wie böse), doch so ein gewisses Etwas besitzt, sodass sie sich einprägt und doch halbwegs sympahtisch und echt wirken. Auch gibt es eine gewisse Komik an manchen Stellen, die doch das Grauen (wie bei dem Serienmörder) ‚auflockert‘. Traurig, aber auch schön, ist die Geschichte über den Polizisten und seine todkranke Tochter, für die er wirklich alles tut und damit auch eine Mitschuld an der Gewalt trägt und das Ende dieser kleinen Geschichte. Irgendwann habe ich das Buch nur noch gelesen, um zu erfahren, ob der Hirsch überlebt und das Mädchen die OP bekommt. Ja, passiert beides.

Ingesamt ist die Geschichte ganz nett, aber durch den Klappentext einfach nur enttäuschend.

Zerrissen : Thriller / Shane Gericke. Aus dem Amerikan. von Sabine Schäfer. – Augsburg : Weltbild, 2012. – 446 S. ; 19 cm.
(Weltbild-Taschenbuch)
Einheitssachtitel: Torn apart <dt.>.
ISBN 978-3-86365-071-1

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