Bald wird es Nacht, Prinzessin von Anna Schneider

Während einer Party bricht Nova zusammen und fällt im Krankenhaus ins Koma. Ihre beste Freundin Jessi macht sich mit Daniel auf der Suche nach der Ursache für den Zusammenbruch und nach einem Weg Nova aus dem Koma zu holen. Sie ahnen nicht, wie sehr sie sich dabei selbst in Gefahr bringen.

Das Jessi versucht rauszufinden, was in der Nacht passiert ist, versteht man sofort. Aber warum Daniel helfen will, erschließt sich erst nach einer Weile. Als Leser erfährt man am Anfang nicht viel mehr. Mehrere Jungs haben Novas Zusammenbruch mitbekommen und scheinen in irgendeiner Form Schuld daran zu sein. Zumindest einer von ihnen geht auf die Party und holt Hilfe. So kommt Daniel ins Spiel und der besagte Junge kann sich davon schleichen. Daniel leistet Erste Hilfe und begleitet Nova ins Krankenhaus. Da er dort sein FSJ macht, besucht er sie häufiger, nimmt Anteil an ihrem Schicksal, lernt Jessi kennen und wundert sich über so kalte Eltern. Da wundert nicht nur er sich.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Jessis und aus Daniels Sicht geschrieben. Zwischendurch erfährt man durch Vlogs von Nova mehr über sie selbst. Aber auch Tobi, der Junge der Hilfe geholt hat, kommt zu Wort. Während die Geschichte am Anfang noch recht langsam anläuft, gewinnt sie mit der Zeit an Kraft und fesselt mehr. So gewinnen die Personen mehr an Tiefe und bald kommt die Frage auf, welche Geschichte stimmt. Zum Glück erfährt man dies, bevor Nova aufwacht. Das Ende hat mir gut gefallen. Nicht, weil es dann zu Ende war, sondern die Auflösung des Ganzen. (Pädagogisch wertvoll und so 🙂 ) Bald wird es Nacht, Prinzessin ist ein Thriller ab 14, vielleicht liegt das Ende zum Teil daran, aber so Enden wünsch ich mir häufiger.

Gut gefallen haben mir die entstehende Spannung, die Portion Liebe :), die Figuren und das Ende. 4 Sterne.

 

Titel: Bald wird es Nacht, Prinzessin

Autor: Anna Schneider

Erschienen: Stuttgart : Planet Girl, 2014

Seiten: 224 S.

Format: Taschenbuch

ISBN: 978-3-522-50393-8, 3-522-50393-7

Mord, Hinterlist und Liebe

Alles beginnt mit einem Schrei. Die blinde Lena erwacht mitten in der Nacht durch die Schreie einer Frau. Doch die Polizei findet keine Leiche, keine Frau, nichts. Als wäre in dem Wald nichts passiert. Auch wenn viele ihr nicht glauben, bleibt die Ungewissheit in dem kleinen Ash. Doch der Ex-Cop Ezra (frisch hinzugezogen) glaubt Lena und verliebt sich in sie. Ezra fängt an Fragen zu stellen und stellt mit dem besten Freund von Lena eine Gefahr für den Täter da. Doch der Täter hat einen Plan, um von sich abzulenken …

Blinde Wahrheit ist der erste Band der Ash-Trilogie. Daher wird der Täter natürlich nicht entdeckt und es dauert ein bisschen bis die Handlung in Fahrt kommt. Zu Schluss enstand die passende Spannung, um auch Band 2 zu lesen. Shiloh Walker hat meiner Meinung nach die Figuren schön gezeichnet und durch die verschiedenen Perspektiven lernt man auch die Sichtweise der Personen lernen. Lena wirkt selbstsicher und selbstständig. In dem einzigen Krimi (den ich vorher gelesen habe), in dem eine Blinde „mitgespielt“ hat, durfte sie das Entführungsopfer sein. Sehr schön finde ich auch den Blindenhund. Er ist der Einzige, der den Täter kennt und als Gefahr wahrnimmt. Durch das Knurren etc. ist eine gewisse Bedrohung zu spüren. Leider war es immer dunkel oder in der Stadt voller Menschen. Auf den Täter bin ich doch gespannt, sollte er schon vorgekommen, habe ich eine Theorie (für das Finale und die weitere Entwicklung existiert auch eine). Eigentlich habe ich nur einen Kritikpunkt an der Geschichte und das ist auch meine eigene Meinung. In einem Thriller möchte ich nicht wirklich eine Sexszene. Wie schön, dass Ezra und Lena sich so lieben, aber so ausführlich beschrieben, bräuchte ich es nicht. Vor allem, weil ich in der S-Bahn und so lese und bei solchen Szenen meinem Gefühl nach erröte. Ich werde natürlich auch die Folgebände lesen, aber irritiert hat es mich schon. Blinde Wahrheit ist damit mein erster Romantic Thriller.

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen, aber da Romantic Thriller nicht ganz meins sind, kriegt Blinde Wahrheit von mir 4 Sterne.

Blinde Wahrheit : Roman / Shiloh Walker. Ins Dt. übertr. von Heide Franck. – Dt. Erstausg., 1. Aufl. – Köln : LYX Egmont, 2012. – 411 S. ; 18 cm. – Einheitssachtitel: If you hear her <dt>. – Ash-Trilogie ; Bd. 1.
ISBN 978-3-8025-8611-8

Gewalt als Kettenreaktion

Das Buch „Zerrissen“ von Shane Gericke hat mich auch innerlich zerrissen. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich das Buch gut fand oder ob ich das Buch abbreche. Ich fand den Klappentext noch ganz interessant, aber nach dem Lesen muss ich sagen, dass der Klappentext irreführend ist. So wird ein junges Mädchen (als Tramperin unterwegs) vergewaltigt und die Leiche wie Abfall weggeworfen, ein Kleinstadtsheriff wird nach einer Schießerei sterbend zurückgelassen (weil er von der Brücke gesprungen ist, die Leiche des Mädchens als Schutzschild verwendet und die Gegner ihn für tot hielten), Kinder werden entführt und tauchen nicht mehr auf (woher kommt das? OK, Kinderhandel und Kinderpornografie, aber das Kind, das wirklich in diesem Roman im Handlungsstrang entführt wird, wird drogenabhängig befreit). Die Welle der Gewalt schwappt passend zum Unwetter aber wirklich über den Ort Naperville in Illinois. Detective Emily Thompson will den Verbrechen ein Ende bereiten (sie arbeitet bei der Polizei, wäre schon angebracht, dass sie das will), aber es tauchen Briefe mit Körperteilen von Mordopfern auf. Schließlich haben die Täter Emily im Visier. Es heißt schließlich „Töten oder getötet werden“.

Es geht in dem Buch um Drogenhandel, Kindesentführung, Kinderpornografie, Geldwäsche, Erpressung und einen reizenden Serienmörder. Doch, das kann man als Welle bezeichnen. Mehr Verbrchen konnte wohl nicht mehr eingebaut werden. Für mich klang es so, als wenn das alles innerhalb eines längeren Zeitraums passiert (so drei Monate), aber es sind gerade mal ein paar Tage. In dieser Zeit sterben durch die Bande der Drogenkuriere unzählige Menschen, mehr oder weniger brutal. Die Briefe kommen allerdings schon vorher und der Serienmörder hält sich bis zum Schluss zurück. Faszinierend fand ich, dass aus der Sicht aller wichtigen Figuren geschrieben wird und jede Figur (egal wie böse), doch so ein gewisses Etwas besitzt, sodass sie sich einprägt und doch halbwegs sympahtisch und echt wirken. Auch gibt es eine gewisse Komik an manchen Stellen, die doch das Grauen (wie bei dem Serienmörder) ‚auflockert‘. Traurig, aber auch schön, ist die Geschichte über den Polizisten und seine todkranke Tochter, für die er wirklich alles tut und damit auch eine Mitschuld an der Gewalt trägt und das Ende dieser kleinen Geschichte. Irgendwann habe ich das Buch nur noch gelesen, um zu erfahren, ob der Hirsch überlebt und das Mädchen die OP bekommt. Ja, passiert beides.

Ingesamt ist die Geschichte ganz nett, aber durch den Klappentext einfach nur enttäuschend.

Zerrissen : Thriller / Shane Gericke. Aus dem Amerikan. von Sabine Schäfer. – Augsburg : Weltbild, 2012. – 446 S. ; 19 cm.
(Weltbild-Taschenbuch)
Einheitssachtitel: Torn apart <dt.>.
ISBN 978-3-86365-071-1

Selbstjustiz im Gefängnis

Wer dachte noch nie „Das ist viel zu nett und er/sie sollte viel grausamer sterben!“? Ganz ehrlich?

Genau dieses Thema kommt in dem Buch „Blut“ von Patricia Cornwell vor. Blut ist ihr 19. Roman aus der Kay-Scarpetta-Serie. Was mir aufgefallen ist, das es möglich war, dass Buch so zu lesen, aber in manchen Momenten fehlte mir der Zusammenhang von Tatsachen. Es gab kurze Erklärungen, aber ich hätte das Verhältnis zwischen den Personen besser verstanden, wenn ich die anderen Bände vorher gelesen hätte. Das nächste Mal halte ich mich bei mehreren Bänden daran, beim ersten Band anzufangen. Zuerst fand ich dieses Buch aber interessant wegen des Themas und nicht aufgrund der Personen.

Dr. Kay Scarpetta reist für ein Gespräch nach Savannah in Georgia, um herauszufinden, was zum Absturz von ihrem ermordeten Stellvertreter geführt hat. Daher spricht sie mit der Frau, die ihn als Kind missbraucht hat und deren gemeinsame Tochter ihn ermordet hat. Schließlich erfährt Kay, dass sie nach Savannah gelockt wurde, um der Ex ihrer Nichte bei der Aufdeckung von Verbrechen zu helfen. Genau in diesem Frauengefängnis kommt es zu rätselhaften Todesfällen. Unfälle, Selbstmord oder doch Mord? Aber dies ist nicht das einzige Thema. Lola Dagette ist zu Tode verurteilt und möglicherweise das nächste Opfer. Doch hat Lola Dagette wirklich vor Jahren eine Familie abgeschlachtet oder wurde ihr die Tat untergeschoben? Während der Ermittlungen kommt es zu immer mehr Entdeckungen, aber Kay begibt sich in Gefahren, von denen sie nicht mal etwas ahnte. Doch erst der Mord an einer Insassin, mit der Kay gesprochen hatte, führt sie auf die richtige Spur. Denn irgendwie hängt alles zusammen und alles, was du tust, hat irgendwie Konsequenzen.

Was mich teilweise störte, waren die Gedankengänge von Kay. Mitten in Gesprächen schweift sie gedanklich ab, gleichzeitig machte dieses Verhalten sie aber auch realer. Gut gefallen hat mir das ganze Thema „Selbstjustiz“ und der Sinn von Hinrichtungen. Ich kann verstehen, was für Hinrichtungen spricht und verstehe auch die Menschen, die Hinrichtungen fordern, aber diese Angst, dass ein unschuldiger Mensch dadurch stirbt, gefällt mir nicht. Auch der Ablauf von Ermittlungen, wenn der vermeintliche Täter gefasst ist, ist erschreckend. Denn viele vergessen doch, dass dort bei einem Unschuldigen das ganze Leben zerstört wird. Man sollte doch so gut es geht auch als Beobachter immer vorsichtig sein und sich nicht aufhetzen lassen. Sonst passiert genau dasselbe wie bei den Ermittlungen im Fall der ermordeten Lena in Emden. Es fand eine Jagd auf den vermeintlichen Täter statt, sodass dieser aus Angst wegen den Lynchaufrufen die Stadt verliess. Soviel zum Thema Abschweifen, aber zurück zum Buch. Entweder hab ich etwas verpasst oder ich fand das eigentliche Ziel der einen Täterin schwer nachvollziehbar. Ansonsten fand ich die Geschichte nachvollziehbar und das Buch gut lesbar. Kay Scarpetta fand ich als Person teilweise etwas anstrengend, aber es ist möglich, dass ich diesen Eindruck auch daher habe, weil ich die anderen Bücher nicht gelesen hab. Aber Blut hat mich davon überzeugt, dass ich auch andere Fälle von Kay Scarpetta lesen werde.

Blut : ein Kay-Scarpetta-Roman / Patricia Cornwell. Aus dem Amerikan. von Karin Dufner. – 1. Aufl. – Hamburg : Hoffmann und Campe, 2012. – 460 S. ; 21 cm. – Einheitssachtitel: Red mist <dt.>.
ISBN 978-3-455-40293-3

Kann ein Serienmörder der eigene Vater sein?

Never knowing – endlose Angst : Thriller / Chevy Stevens. Aus dem Amerikan. von Maria Poets. – Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2011. – 488 S. – Einheitssachtitel: Never knowing

ISBN 978-3-596-19274-8

Sara ahnt nicht, was die Suche nach ihren leiblichen Eltern für Auswirkungen hat. Kurz vor ihrer Hochzeit möchte sie Gewissheit haben. Die Suche wird aber zum Albtraum, als die Wahrheit bekannt wird und kurz darauf jeder weiß, dass sie die Tochter eines Serienkillers ist. Als sich ihr (leiblicher) Vater bei ihr meldet, versucht das FBI über Sara John zu fassen. Im Versuch ihren Verlobten und ihre Tochter zu schützen, merkt sie zu spät, dass sie von vielen manipuliert wird.

Am Anfang war es merkwürdig etwas zu lesen, was anscheinend an die Psychiaterin gerichtet war. Nach einigen Kapiteln machte aber genau dies auch den Reiz aus. Ich kann nicht sagen, ob ich anders reagiert hätte, aber der bittere Geschmack des Verrates bleibt. Da ich ein großer Fan von Criminal Minds bin, bleibt doch die Frage wie weit manche Manipulationen gehen und ob man jemanden leichtfertig die Schuld an dem Tod eines anderen geben darf, um die eigenen Ziele zu erreichen. Für Never knowing muss man sich Zeit nehmen, denn es fällt schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen.