Der Agrar-Rebell von Sepp Holzer

Sepp Holzer besitzt einen Bergbauernhof in 1500 Metern Höhe und erntet dort unter anderem Kiwis, Kirschen und Kürbisse. Die Permakultur betreibt er schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich. Neben dem Anbau bietet er inzwischen auf dem „Krameterhof“ Fortbildungen und Kurse zur alternativen Landwirtschaft an.

In diesem Buch geht es um seine Lebensgeschichte, die Entwicklung des Krameterhofs, seine Philosophie und die Grundprinzipien seines Denkens. So fängt alles mit seinen ersten Anbauversuchen und Misserfolgen (so geht es auch weiter: er erzählt auch von den Rückschlägen und warum er etwas wieder aufgegeben hat) als Kind, aber auch sein Leben mit Schulzeit, Kindheit in den Bergen kommt zur Sprache. Dieser rote Faden zieht sich durch das ganze Buch: Privatleben, Entwicklung des Kramterhofs und die Versuche eine Idee profitabel umzusetzen und warum es erfolgreich bzw. woran es gescheitert ist. Bei vielen Projekten stand nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern die Vereinigungen der Forstwirtschaft und der Fischwirtschaft und die Bürokratie im Weg. So etwas hab ich das als absoluter Laie noch nie mitbekommen und fand die Vorgänge sehr spannend und teilweise sehr absurd.

Spannend fand ich auch die Berichte, wie er etwas erfolgreich anbaut und die Biotope für die Fische etc. anlegt, sodass sich die Systeme selbst erhalten. Ich brauch einen Garten zum Testen. 🙂 Kurzfassung: Nicht das tun, was in alten(?) Büchern zur Forst-/Fisch-/Landwirtschaft steht, nie Monokulturen und sich in die Lebewesen rein versetzen. Ein paar Aktionen von ihm fand ich aber doch etwas fragwürdig. Verständlich bei den Aktionen von den anderen, aber doch … fragwürdig.

Insgesamt fand ich das Buch sehr gut. Wer eine Mischung aus Biografie, Anbautipps und sich für die verschiedenen Nutzungsformen (von Wäldern) interessiert, sollte mal einen Blick reinwerfen.

5 Sterne

Titel: Der Agrar-Rebell

Autor: Sepp Holzer

Erschienen: München : Goldmann, 2006

Seitenanzahl: 346 S.

Format: Taschenbuch

ISBN: 978-3-442-21771-7

Preis: 8,95€

2002 gab es schon ein Buch unter dem Titel. War vermutlich die gebundene Ausgabe und hat knapp hundert Seiten weniger.

Arm aber Bio! von Rosa Wolff

Kann man mit dem Hartz-IV-Regelsatz auch Biolebensmittel kaufen und sich gesund ernähren? Rosa Wolff versucht es. Als sie arbeitslos wird, räumt sie alle Vorräte zur Seite und will einen Monat nur Biolebensmittel kaufen.

Das Buch besteht aus vielen Tagebucheinträgen und einem Rezeptteil, damit man die Rezepte ausprobieren kann. Die Kekse klingen lecker. 🙂 Am Ende jedes Tages berechnet Rosa, wie viel sie gegessen hat, mit welchem Wert und wie viel Obst und Gemüse. So viel sei verraten: Sie ist häufiger über dem Tagessatz und genug Obst und Gemüse ist selten.

Ich muss sagen, ich hätte den Nerv nicht dafür alles auszurechnen und durch 5 Läden zu fahren, um die günstigsten Lebensmittel zu finden. Gelesen habe ich es vor allem, weil ich nicht zu den Großverdienern gehöre. Ihre Kochideen und alles fand ich gut, aber die Zeit dafür hab ich nicht. Mit Hartz-IV-Satz kann es anscheinend gehen, wenn man grad keine anderen teure Ausgaben hat (oder vermutlich ein Kind mit Kleidung, Schulmaterial etc.), aber man muss wirklich sehr sehr viel rechnen und häufiger hungrig ins Bett gehen. Die 5 verschiedenen Läden wollen wir auch nicht vergessen. Für Geringverdiener ist es wahrscheinlich nicht oder schwer machbar. Kochen sollte man auch können. Ich meine, ich hab schon mal geschrieben, dass alle die sich gut ernähren wollen, später Bio kaufen, kaum Fleisch (zu teuer) und viel selbst machen/kochen. Das war auch mal das erste Mal, dass ich mehr über die Aufschlüsselung des Hartz-IV-Satzes gelernt hab. Wie frustrierend es ist, dass ganze Essen durchzurechnen weiß ich aus Erfahrung, aber mit Hartz IV und Bio steigert sich der ganze „Spaß“ noch einmal.

4 Sterne, weil ich die Idee gut umgesetzt finde und Rosa Wolf neben dem Durchrechenen auch praktische Kochtipps gibt.

Arm aber Bio! : [mit wenig Geld gesund, ökologisch und genussvoll speisen ; ein Selbstversuch ; Erfahrungsbericht, Rezepte, Tipps & Infos] / Rosa Wolf. – Orig.-Ausg., 3., korrigierte u. erg. Aufl. – München : Ed. Butterbrot, 2010. – 221 S. – Zusätzliches Online-Angebot unter http://www.arm-aber-bio.de.
ISBN 978-3-9813469-0-9

Before they pass away

Beeindruckend. Dieses Wort beschreibt meiner Ansicht nach das Buch perfekt. Dies liegt zum einem an der Größe, zum anderen an den grandiosen Bildern. Das Buch ist wirklich riesig und sehr schwer. (Ich hätte mir wahrscheinlich das Buch in der Bibliothek ansehen sollen und es nicht mit nach Hause nehmen sollen. Wäre meinem Rucksack besser bekommen.) Durch dieses Format kommen die Bilder aber sehr gut zur Geltung. Jimmy Nelson hat für diesen Bildband die Lebensweise verschiedener Stammeskulturen aus aller Welt dokumentiert. Man sieht nicht nur die Lebensweise und die traditionelle Kleidung, sondern neben Porträts auch die Landschaft, in denen die Gemeinschaften leben. Allein bei dem Anblick der Landschaften fühlte ich eine Ehrfurcht vor der Natur. Bei dem Anblick der Menschen spürt man den Stolz und die Würde. Wie oft sieht man bei Dokumentationen, dass die Kinder in abgerissenen T-Shirts durch das Dorf mit den scharrenden Hühnern laufen und das stinkende Abwasser mit viel Müll einfach in einer Rinne die Straße entlang läuft? Wer denkt da nicht, dass die Zivilisation noch nicht da ist. Unter Umständen mit Mitleid für die Einwohner, die ohne Strom und Sanitäranlagen etc. leben müssen. Solche Bilder gibt es in diesem Buch nicht. Das Buch vermittelt wirklich die Kultur und den Stolz der Personen und es gab so einige die auf mich einfach nur weise wirkten. Zu den einzelnen Völkern/Stämmen gibt es Texte in Deutsch, Englisch und Französisch, diese habe ich ehrlich gesagt nicht vollständig gelesen, lieber habe ich mir die Fotographien angesehen. Die Texte beschreiben die Ursprünge, den Brauchtum, den Glaube, die Lebensweise und die Ernährung. In den Texten steht dann beispielsweise, dass der Stamm auch Kannibalismus ‚betreibt‘. Auf einigen Fotos lassen sich die Personen auch mit Waffen ablichten. Die Kulturen werden also auch nicht mit einer rosa Brille gezeigt.
Das Buch ist mit 128 € ziemlich teuer. Der Preis ist bei dem ganzen Aufwand sicherlich gerechtfertigt, aber es ist und bleibt eine stolze Summe (stolz wie die Personen auf den Portraits). Ehrlich gesagt kauf ich mir das Buch vermutlich mal irgendwann, wenn ich mal so viel Geld übrig habe oder es gebraucht kriege. Jetzt habe ich mir das Buch aus einer anderen Bibliothek in Berlin für 2,75€ bestellt. Auf das Buch bin ich auch dadurch gestoßen, dass sich ein Leser das Buch in meine Bibliothek bestellt hat. Aus irgendeinem Grund hat er Buch nicht ausgeliehen. Könnte am Gewicht und der Größe gelegen haben. 😉
Wer die Gelegenheit hat, sollte sich diese Bilder meiner Ansicht nach unbedingt ansehen.
Before they pass away / Jimmy Nelson. [ext: Mark Blaisse]. – Kempen : teNeues, 2013. – 423 S. : überw. Ill. ; 370 mm x 290 mm. – Sprache der Vorlage: Text dt., engl. und franz.
ISBN 978-3-8327-9759-1

Plastikfrei leben

Plastikfrei leben. Geht das? Sandra Krautwaschl startet den Versuch mit ihrer Familie. Auslöser war wohl der Film Plastic Planet (und jedes Mal muss ich an Plastic Beach von den Gorillaz denken). Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen. Der Produzent Thomas Bogner und der Regisseur Werner Boote begleiten das Projekt. Ich weiß noch, dass ich einen Bericht über die Familie im Fernsehen gesehen habe und dachte „So etwas geht?“.

Um es kurz zu fassen: Ja, es geht. Sandra Krautwaschl berichtet hier persönlich über das Gelingen und verschiedene Probleme, wirkt dabei aber nicht abgehoben. Es macht auch viel aus, dass es in dem Haus sehr viel Plastik gab und sie in dem Bereich nicht schon fast perfekt waren. Sehr praktisch finde ich die Liste im Anschluss, in der man verschiedenste Bezugsquellen für Zahnbürsten, Kleidung, Waschmittel, etc. findet. Faszinierend finde ich immer wieder, dass Leute (egal ob es um weniger einkaufen, mehr selbst machen, ethisch korrekt leben oder weniger Ressourcenverbauch) eigentlich immer auf Bioprodukte umsteigen und allgemein auf bessere Qualität achten. Viele nehmen dann auch wieder Verhaltensweisen und Gegenstände, wie es damals bei Mutter/Großmutter war. Besonders ist bei der Krautwatschl, dass sie nur so lange plastikfrei leben wollen, wie es ihnen Spaß macht und die meisten sagen: Ein Jahr kein Shopping/selbst machen/ethisch korrekt leben und mal sehen, was dann bleibt.

Wichtiges Thema, angenehm geschrieben, Bezugsquellen und ein schönes Titelblatt mit fast allen Plastikprodukten aus deren Haus. Ich bin für 5 von 5 Sternen.

Plastikfreie Zone : Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben / Sandra Krautwaschl. – München : Heyne, 2012. – 288 S. : Ill.
(Heyne-Bücher ; 60229)
ISBN 978-3-453-60229-8

Es gibt jetzt ein Startnext-Projekt für einen plastikfreien Supermarkt in Berlin und hat innerhalb weniger Tage das Fundingziel erreicht. Es hat schon fast doppelt so viel Geld bekommen wie erhofft. Der Link zum Projekt ist hier:

Und der Trailer zu dem „Auslöser“ für dieses Buch:

Öko und die Wirtschaft

Öko : Al Gore, der neue Kühlschrank und ich / Peter Unfried. – 1. Aufl. – Köln : DuMont, 2008. – 239 S.
ISBN 978-3-8321-8063-8

Peter Unfried beschreibt den Lebenswandel zum ökologischen Leben. Er ergründet dabei auch die Frage ob er nun ein Öko oder ein Lohas ist. Dabei setzt er sich mit den Lebensweisen verschiedener Gruppen auseinander. Peter Unfried beschäftigt sich aber auch ausführlich mit der wirtschaftlichen Seite. Er beleuchtet dabei unter anderem auch die Firmen, die jetzt durch seine Entscheidungen Geld verdienen (z.B. Stromanbieter, Emissionsausgleich). Teilweise war mir das Ganze schon zu ausführlich, auch wenn es natürlich auch wichtig ist, sich die wirtschaftliche Seite hinter den ganzen ökologischen Angeboten anzusehen. Sehr gut gefallen haben mir die weiterführenden Literaturhinweise und Internetadressen.

Das Thema wird auf jeden Fall sehr ausführlich behandelt. Es gibt in dem Buch keine Tips wie “Nur 5 Minuten duschen, um den Wasserverbrauch zu senken”. Das Buch geht tiefer in die Materie, ist dadurch teilweise auch sehr trocken und langatmig.